LIEFER­KETTEN­MANAGE­MENT, TRANS­PA­RENZ, RES­SOUR­CEN­EFFI­ZIENZ

Datum: 04. November 2015

Was das Leitbild der Nachhaltigkeit in der betrieblichen Praxis bedeutet, war Thema der Tagung, zu der die Nachhaltigkeitsinitiative Chemie3 nach Berlin eingeladen hatte.

An den Diskussionen um „Lieferketten, Transparenz und Ressourceneffizienz – wie sich Nahchaltigkeit in die Praxis umsetzen lässt“ nahmen rund 130 Interessierte aus Wirtschaft, Politik, Behörden, Wissenschaft und Zivilgesellschaft teil.

„Wichtige Fortschritte werden gemacht, wenn wir der anderen Seite zuhören und die Ideen aufgreifen“, so beschrieb Utz Tillmann das Anliegen dieses Tages: „Wo sind Konfliktlinien? Wie können wir besser verstehen, was andere denken?“ Zugleich war eine Zwischenbilanz zu ziehen. Im Mai 2013 hatten der VCI, die Gewerkschaft IG BCE und der Bundesarbeitgeberverband Chemie (BAVC) ihre zwölf Leitlinien zur Nachhaltigkeit veröffentlicht.

Jetzt stellten die Allianzpartner den ersten Fortschrittsbericht der Initiative vor. „Chemie3 hat gute Fortschritte gemacht. Wir haben ein umfangreiches Unterstützungsangebot für die Firmen erarbeitet, das die Umsetzung der Leitlinien erleichtert und von den Betrieben gut angenommen wird“, so Tillmann. Für die Zukunft stelle sich die Frage: „Wie kann man Fortschritte beschreiben? Wie können wir messen, was wir Positives tun?“ Die Branche müsse Indikatoren entwickeln, so Tillmann, an denen sie sich messen lassen wolle.

Dass das Leitbild der Nachhaltigkeit neben der ökonomischen und ökologischen auch eine soziale Dimension umfasse, daran erinnerte Petra Reinbold-Knape vom geschäftsführenden Hauptvorstand der IG BCE. Um auf diesem Feld Fortschritte feststellen zu können, bedürfe es ebenfalls präziser Indikatoren. Es gehe um Arbeitsbedingungen, prekäre Beschäftigung sei nicht nachhaltig. Die Allianzpartner sollten sich gemeinsam auch für Menschenrechte einsetzen, mahnte die Gewerkschafterin und verwies auf die aktuelle Flüchtlingskrise.

Klaus-Peter Stiller, Hauptgeschäftsführer des BAVC, beschrieb zwei Stoßrichtungen des Nachhaltigkeitsbegriffs. Er sei einerseits an die Betriebe der Branche adressiert. Sie zu überzeugen, erfordere Zeit, doch gebe es Grund zum Optimismus. Die Erdung komme mit der Praxis. Zugleich gehe es darum, nach außen deutlich zu machen, dass die Chemie sich erneuere. Jede Industrie brauche Akzeptanz in der Öffentlichkeit. Die Botschaft müsse lauten: Die Chemie könne das. Übergreifende staatliche Regelungen seien nicht notwendig und eher kontraproduktiv.

THEMENPATEN FÜR DIE WORKSHOPS

Im Zentrum der Veranstaltung standen die Themen nachhaltige Lieferketten, Transparenz, Ressourceneffizienz und soziale Nachhaltigkeit. Sie wurden intensiv in Workshops diskutiert (siehe Folgeseiten). Dass Nachhaltigkeit nicht am Werkstor ende, vielmehr den Blick über die Grenzen des eigenen Unternehmens hinaus voraussetze, betonte Stefan Haver, zuständig für „Corporate Responsibility“ bei Evonik. Er führte als „Themenpate“ in den Workshop über nachhaltige Lieferketten ein. Die Zeiten, in denen sich der Einkauf allein nach der Maßgabe bester Preis, beste Qualität, beste Verfügbarkeit gerichtet habe, seien vorbei. Billig sei heute zu wenig. Was ökonomisch wichtig sei, müsse auch ökologisch richtig sein. Genauso müssten Sozialstandards eingehalten werden.

Ressourceneffizienz war das Thema eines weiteren Workshops, den Christof Günther, Geschäftsführer des Chemieparks in Leuna, als Themenpate betreute. Er wies darauf hin, dass die Unternehmen in Leuna im Vergleich zu 1989 heute mit fünf Prozent der damaligen Abwassermenge und 15 Prozent des damaligen Energiebedarfs doppelt so viel produzieren. Auch wenn durch den Einsatz moderner Technik schon viel erreicht sei, müsse man kontinuierlich nach Verbesserungspotenzialen bei der Energie- und Ressourceneffizienz suchen.

Nachhaltigkeit sei dreidimensional zu verstehen, so Klaus West von der Chemie-Stiftung Sozialpartner-Akademie und Themenpate für den Workshop zur sozialen Nachhaltigkeit. Ein Unternehmen müsse wettbewerbsfähig sein, dürfe aber nicht als Umweltsünder und nicht als unsozial dastehen. Die soziale Nachhaltigkeit sei dabei schwer zu fassen. Sie sei subjektiv geprägt. Es ginge um das tatsächliche Verhalten im Unternehmen, um Fragen der Kooperation, der Kommunikation, der Qualifizierungschancen und der Gesundheit.

Thorsten Pinkepank von der BASF betonte als Themenpate des Workshops zur Transparenz, dass diese kein Selbstzweck sein solle. Transparenz müsse nach innen und außen wirken: Nach innen, um besser über das vielfältige Thema Nachhaltigkeit Bescheid zu wissen und mittels Indikatoren steuern zu können. Nach außen solle sie Vertrauen ermöglichen und stützen. Außerdem müsse sie einen Nutzen haben. Beispielsweise werde Nachhaltigkeit immer mehr zum Entscheidungsfaktor für Kreditgeber. Für sie könne ein Bericht eine Entscheidungsgrundlage sein.

Bereits am Vortag hatten 16 „junge Experten“ ihre Erwartungen an die Tagung formuliert. Der Tenor fiel kritisch aus. Die 20-jährige Jasmin Burgermeister etwa, die für zwei Jahre als UN-Jugenddelegierte für Nachhaltige Entwicklung amtiert, mahnte stellvertretend für die jungen Experten die Glaubwürdigkeit der Nachhaltigkeitsinitiative an. Die Industrie dürfe Nachhaltigkeit nicht als Modethema behandeln. Auch reiche es nicht aus, Fortschrittsindikatoren zu entwickeln, an denen sich die Branche messen lassen wolle. Stattdessen müsse sie sich an den Erwartungen der Zivilgesellschaft orientieren. Diese formuliere die Kriterien dafür und nicht die Industrie. (Dr. Winfried Dolderer)

Chemie hat zentrale Rolle

Zum Schluss der Veranstaltung hatten die Allianzpartner Ralf Fücks, grünes Urgestein und Ko-Vorsitzender der Heinrich-Böll-Stiftung, gebeten, den Teilnehmern Thesen zum Weiterdenken mit auf den Weg zu geben. Fücks malte die Dimension des Themas aus. Nachhaltigkeit sei nicht einfach ein bisschen Modernisierung. Nachhaltigkeit erfordere eine fundamentale Veränderung der heutigen Produktionsweise, die eine völlig andere Industriegesellschaft hervorbringen werde. Diese müsse vom Raubbau an der Natur zum Wachstum mit der Natur übergehen. Dazu bedürfe es eines grundlegenden Wechsels der Rohstoffbasis von Öl und anderen fossilen Energieträgern auf nachwachsende Rohstoffe.

Wie schnell das gehen werde und zu welchen Kosten, sei noch ungewiss. An der Richtung aber könne kein Zweifel bestehen. Der Chemie bescheinigte Fücks eine zentrale Rolle bei alledem. Sie verfüge über ein enormes ökologisches Innovationspotenzial. Nur die Unternehmen, die sich diesem Wandel offensiv stellten, statt sich ihm so lange wie möglich zu verweigern, hätten künftig noch eine Chance.

Zu den Workshop-Berichten

Workshop 1

NACHHALTIGE LIEFERKETTEN GESTALTEN – GEMEINSAME AKTIVITÄTEN DER CHEMIE

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Workshop 2

NACHHALTIGKEIT SICHTBAR MACHEN – TRANSPARENZ IN DER CHEMIE

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Workshop 3

RESSOURCEN EFFIZIENTER NUTZEN – BEISPIELE UND PERSPEKTIVEN AUS DER CHEMIE

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Workshop 4

SOZIALE NACHHALTIGKEIT MESSEN – CHEMIE³-INDIKATOREN IN DER ENTWICKLUNG

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