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B. Braun Melsungen AG
Ungeschliffenes zum Strahlen bringen

Mit der Initiative PerspektivePLUS hilft die B. Braun Melsungen AG benachteiligten Jugendlichen, ihre Chancen auf dem Jobmarkt zu verbesse

v. l.: K.-H. Engel, H. I. Acikgöz & C. Schumann - Foto: © B. Braun Melsungen AG

Halil Acikgöz war schon immer ehrgeizig. Dass er heute als Ausbilder für Lagerlogistik anderen jungen Leuten beim Berufseinstieg helfen würde, war vor zehn Jahren dennoch alles andere als abzusehen. „Ich wollte unbedingt bei einem großen Unternehmen arbeiten; Mercedes, VW, sowas“, sagt er. Umso enttäuschter war er, als auf seine Bewerbungen nur Absagen folgten. Sein Hauptschulabschluss – wenngleich mit guten Noten – reichte den Personalern nicht aus. Doch ohne Ausbildungsplatz ein Jahr auf die nächste Chance zu warten, war keine Option für Acikgöz. Dank eines Programms der B. Braun Melsungen AG ging es für ihn dann doch nahtlos weiter: in ein Praktikum der besonderen Art, gefolgt von einer Ausbildung in der Lagerlogistik und letztlich einem erfüllten Berufsleben. Eine solche Entwicklung ist auch ganz im Sinne des Arbeitgebers, der von einer besonderen Motivation seines Mitarbeiters ausgehen kann.

PerspektivePLUS heißt die Initiative, die das Pharma- und Medizinbedarfunternehmen vor elf Jahren ins Leben gerufen hat. Sie gibt jungen Menschen ohne Ausbildungsplatz eine zweite Chance zum Berufseinstieg: „Wir machen Schulabgänger fit für die Ausbildung und öffnen Türen in die Unternehmen“, erklärt Kay-Henric Engel, Ausbildungsleiter und verantwortlich für PerspektivePLUS. Aus dem unternehmenseigenen Projekt ist mittlerweile eine regionale Initiative geworden. Elf weitere Unternehmen aus ganz unterschiedlichen Sparten hat Engel über die Jahre ins Boot holen können. Der Erfolg kann sich sehen lassen. Etwa 85 Prozent der „P-Plusler“ wechseln aus dem Programm direkt in Ausbildungsverhältnisse. Rund 200 benachteiligte Jugendliche haben so ihren Karrierestart im zweiten Anlauf doch geschafft.

Dabei ist PerspektivePLUS mehr als ein Praktikum. Für maximal ein Jahr arbeiten die Teilnehmer im laufenden Betrieb mit, erlernen praktische Grundfertigkeiten, übernehmen  Verantwortung und werden von einem persönlichen Mentor begleitet. „Unsere Pensionäre übernehmen diese Aufgabe. Sie geben ihre Erfahrung weiter und halten die jungen Leute auch ein bisschen in der Spur“, erklärt Engel. Denn neben der praktischen Erfahrung und begleitendem Unterricht an der Berufsschule, spielt auch die persönliche Entwicklung eine große Rolle. Manche Persönlichkeit sei in dieser Lebensphase noch arg ungeschliffen. „Viele Jugendliche übernehmen in PerspektivePLUS zum ersten Mal echte Verantwortung“, erklärt Engel. „Pünktlichkeit, Verbindlichkeit und Engagement – auch das sind Werte, die wir vermitteln.“

Foto: © B. Braun Melsungen AG

Dass er diese Lehren bitter nötig hatte, gibt Christian Schumann rückblickend ehrlich zu: „Mein Fachabitur hatte ich noch sehr gut abgeschlossen. Ich bin aber früh zu Hause ausgezogen und dann in eine Phase gerutscht, in der ich einfach gar nichts mehr gemacht habe – hier mal einen Aushilfsjob, da mal ein paar Monate arbeitslos.“ Plötzlich hatte er dann diese Lücken im Lebenslauf und seine Aussichten auf eine geregelte Anstellung schwanden. Sein Fußballtrainer war es, der Ausbildungsleiter Engel auf den strauchelnden Jugendlichen ansetzte: „Eigentlich war Schumann als Fachabiturient gewissermaßen überqualifiziert“, sagt Engel. „Aber PerspektivePLUS war genau das, was er brauchte: Geregelte Arbeitszeiten, verbindliche Ziele und die Perspektive auf eine echte Ausbildung.“ Schumann blühte auf: „Mein ewiges Problem mit der Pünktlichkeit habe ich binnen weniger Wochen abgelegt – letztlich auch weil mein Mentor mir nie etwas durchgehen ließ.“ Heute ist Schumann als Disponent in der bundesweiten Logistik für B. Braun dafür verantwortlich, dass auch Waren und Rohstoffe zu rechten Zeit am rechten Ort sind.

Neben der Praxiserfahrung und schulischen Inhalten, absolvieren die P-Plusler weitere Trainingseinheiten: Konfliktmanagement, Bewerbertraining und ein Computerführerschein etwa machen sie fit für den Arbeitsalltag. An den Kosten dafür beteiligen sie sich – wenn auch mit einem eher symbolischen Beitrag. „Auch hier gilt es, die Eigenverantwortung zu stärken“, erklärt Engel. Die Teilnehmer wählen selbst, welche Entwicklungsschritte sie machen wollen und investieren Zeit und Geld in ihre Ziele.

Die gesamte Koordination des Projekts übernimmt die Ausbildungsabteilung von B. Braun. Hier wird auch das sogenannnte Übergangsbüro betrieben, das alle P-Plusler betreut und die Eingliederung organisiert: „Jugendliche bewerben sich bei uns. Wir führen die Eignungstests durch, vermitteln an unsere Partnerunternehmen und sorgen auch dafür, dass die Teilnehmer beim Wechsel in den regulären Arbeitsmarkt nicht übervorteilt werden. Das Ziel ist eine Ausbildung mit echter Perspektive“, erklärt Engel.

Die Jugend- und Auszubildendenvertretung sowie der Betriebsrat der B. Braun Melsungen AG unterstützen dieses Programm. „Mit PerspektivePLUS bieten wir jungen Menschen eine berufliche Perspektive sowie die Möglichkeit sich auf dem Arbeitsmarkt zu etablieren“, verdeutlicht Peter Hohmann, Vorsitzender des Betriebsrates.

Und was hat das Unternehmen davon? Engel sieht B. Braun als einen der größten Arbeitgeber der Region in der Pflicht. „Wir schaffen Perspektiven für Jugendliche. Das tut auch dem sozialen Umfeld unseres Standortes gut“, sagt er. „Und wir gewinnen natürlich auch gute und motivierte Fachkräfte.“ Die P-Plusler sind für ihn alles andere als „zweite Wahl“. Das Beispiel von Halil Acikgöz gibt ihm Recht: Realschulabschluss, PerspektivePLUS, eine Ausbildung zum Fachlageristen mit Bestnoten, unbefristete Übernahme, zahlreiche Weiterbildungen bis hin zum Ausbilderschein, privat ein Haus gekauft und Familie gegründet – Acikgöz hat seinen Weg gemacht und geht ihn ehrgeizig weiter: „Für die Renovierung unseres Hauses und meine beiden Söhne musste ich das berufsbegleitende Studium erstmal auf Eis legen“, sagt er. „Aber der Abschluss als Betriebswirt ist fest geplant!“

Wussten Sie schon?

  • 85 Prozent der Jugendlichen wechseln schon während oder unmittelbar nach der Teilnahme an PerspektivePLUS in ein gesichertes Ausbildungsverhältnis.
  • Über 200 arbeitslose Jugendliche hat PerspektivePLUS bereits in Ausbildungsplätze vermittelt.
  • Jährlich nehmen etwa 25 Jugendliche an PerspektivePLUS teil.
  • Elf Unternehmen beteiligen sich bislang an der von der B. Braun Melsungen AG gegründeten Initiative – vom kleinen Handwerksbetrieb bis hin zu einer namhaften Einzelhandelskette.

 

 

DIES IST EIN GOOD-PRACTICE-BEISPIEL ZU DEN LEITLINIEN:

Die Unternehmen und Beschäftigten der chemischen Industrie betrachten die demografische Entwicklung als gemeinsamen Gestaltungsauftrag. Die Sozialpartner, Unternehmensleitungen und Betriebsräte bauen ihre tarif- und sozialpolitischen Aktivitäten in Deutschland in diesem Bereich aus. Unternehmen und Beschäftigte engagieren sich für Ausbildung, lebenslanges Lernen und Fachkräftesicherung sowie für eine verschiedenen Lebensphasen gerechte und familienfreundliche Arbeitsgestaltung. Arbeitgeber und Arbeitnehmer setzen auf ein hohes Bildungs- und Qualifikationsniveau und fördern die Potenziale einer vielfältigen Belegschaft.

Als verantwortliche Nachbarn engagieren sich Unternehmen und Beschäftigte für eine nachhaltige Entwicklung an ihren nationalen und internationalen Standorten. Sie sind aktive Partner der regionalen Akteure und setzen sich für eine hohe Lebensqualität und ehrenamtliches Engagement in ihrer Region ein. Insbesondere fördern sie die Zukunfts- und Bildungschancen junger Menschen.

Erfolgsfaktoren

Foto: © B. Braun Melsungen AG

- Die B. Braun Melsungen AG holte früh andere lokale Unternehmen mit ins Boot, sichert aber die Organisation und Betreuung.

- Gute Kontakte zu lokalen Schulen und Jugendeinrichtungen machen das Programm unter Jugendlichen bekannt.

- Pensionäre des Unternehmens sichern die Betreuung der Teilnehmer als Mentoren über den gesamten Projektzeitraum.

- Teilnehmer übernehmen nicht nur Jobs, sondern Verantwortung im Arbeitsalltag in ihren Betrieben.

- Neben fachlicher Ausbildung stehen immer auch soziale Kompetenzen wie Pünktlichkeit, Verbindlichkeit und Teamwork auf dem Lehrplan.

- Ziel ist immer die Übernahme in ein reguläres Ausbildungsverhältnis. B. Braun trägt Sorge, dass Teilnehmer nicht als billige Arbeitskräfte missbraucht werden.

- Der Unterstützungsverein der Chemischen Industrie (UCI) fördert Teilnehmer und kleinere Betriebe fachlich und finanziell.

Unternehmensinfo

Foto: © B. Braun Melsungen AG

- Die B. Braun Melsungen AG ist ein Pharma- und Medizintechnikunternehmen mit Sitz im hessischen Melsungen bei Kassel.

- Die Produktpalette umfasst Pharma- und Medizinbedarf sowie Dienstleistungen für Kliniken, niedergelassene Ärzte und den Homecare-Bereich.

- Die Wurzeln des Unternehmens gehen zurück auf eine am 23. Juni 1839 in Melsungen gegründete Apotheke.

- Heute hat das Unternehmen insgesamt 62 Standorte weltweit und über 54.000 Mitarbeiter – etwa 6.500 davon am Stammsitz in Melsungen.

- Rund 400 jungen Menschen absolvieren derzeit eine Ausbildung im Unternehmen. 

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